Was Proteine sind und warum sie in der Ernährung eine zentrale Rolle spielen

Proteine – auch als Eiweisse bezeichnet – gehören neben Kohlenhydraten und Fetten zu den drei Makronährstoffen, die in der Ernährungswissenschaft als grundlegende Energielieferanten und Baustofflieferanten des Körpers beschrieben werden. Während Kohlenhydrate und Fette primär als Energiequellen charakterisiert werden, sind Proteine vor allem für ihre strukturellen und funktionellen Rollen bekannt: Sie sind Bestandteil nahezu jeder Körperzelle und erfüllen eine ausserordentlich breite Palette an physiologischen Funktionen.

Der Begriff "Protein" stammt vom griechischen Wort protos, was "das Erste" oder "das Wichtigste" bedeutet – eine Benennung, die den historischen Stellenwert dieses Nährstoffs in der Wissenschaftsgeschichte widerspiegelt. Heute wissen wir, dass alle drei Makronährstoffe unentbehrlich sind und kein einzelner als wichtiger eingestuft werden sollte.

Aufbau: Aminosäuren als Bausteine

Proteine bestehen aus Aminosäuren – organischen Verbindungen, die in langen Ketten aneinandergereiht werden. Insgesamt sind 20 verschiedene Aminosäuren bekannt, die in unterschiedlicher Reihenfolge und Länge zu tausenden verschiedener Proteinstrukturen kombiniert werden können. Die Abfolge der Aminosäuren bestimmt die dreidimensionale Form des Proteins und damit seine Funktion im Körper.

Von diesen 20 Aminosäuren gelten 9 als "essenzielle" Aminosäuren – das bedeutet, dass der menschliche Körper sie nicht selbst synthetisieren kann und sie daher über die Nahrung aufgenommen werden müssen. Die restlichen 11 Aminosäuren können vom Körper selbst gebildet werden, wobei einige unter bestimmten physiologischen Bedingungen als "bedingt essenzielle" eingestuft werden.

Funktionen von Proteinen im Körper

Die Funktionsvielfalt von Proteinen ist ausserordentlich gross. Nachfolgend werden einige der zentralen Funktionsbereiche beschrieben:

Strukturelle Funktion

Viele Proteine haben eine primär strukturelle Aufgabe: Sie geben Zellen, Geweben und Organen Form und Stabilität. Kollagen beispielsweise ist das am häufigsten vorkommende Protein im menschlichen Körper und Hauptbestandteil von Bindegewebe, Haut und Knochen. Keratin bildet die strukturelle Grundlage von Haaren und Nägeln.

Enzymatische Funktion

Enzyme sind biologische Katalysatoren – und nahezu alle Enzyme sind Proteine. Sie ermöglichen biochemische Reaktionen im Körper, von der Verdauung der Nahrung bis zu zellulären Energieprozessen. Ohne Enzyme würden viele Reaktionen im Körper zu langsam ablaufen, um Leben zu ermöglichen.

Transportfunktion

Bestimmte Proteine transportieren Substanzen durch den Körper. Das bekannteste Beispiel ist Hämoglobin, das Sauerstoff in den roten Blutkörperchen transportiert. Lipoproteine transportieren Fette und fettlösliche Vitamine durch das Blut.

Immunologische Funktion

Antikörper – zentrale Bestandteile des Immunsystems – sind Proteine. Sie erkennen körperfremde Strukturen und markieren diese für die Abwehrreaktion des Körpers.

Hormonelle Funktion

Viele Hormone sind Proteine oder bestehen aus Aminosäuren. Insulin etwa ist ein Peptidhormon, das an der Regulierung des Blutzuckers beteiligt ist. Wachstumshormone sind ebenfalls Proteine.

Quellen in der Ernährung

Proteine kommen in einer Vielzahl von Nahrungsmitteln vor – sowohl tierischen als auch pflanzlichen Ursprungs. Die Bewertung von Proteinquellen erfolgt in der Ernährungswissenschaft häufig anhand ihrer Aminosäurezusammensetzung und der biologischen Verfügbarkeit – also dem Anteil des aufgenommenen Proteins, den der Körper tatsächlich verwerten kann.

Ausgewählte Proteinquellen im Überblick

Quelle Kategorie Besonderheit
Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen) Pflanzlich Reich an Ballaststoffen, gute Lysinquelle
Nüsse und Samen Pflanzlich Protein mit gesunden Fettsäuren kombiniert
Vollkorngetreide (Quinoa, Buchweizen) Pflanzlich Quinoa enthält alle essenziellen Aminosäuren
Tofu und Sojaprodukte Pflanzlich Vollständiges Aminosäureprofil
Eier Tierisch Häufig als Referenzprotein verwendet
Milchprodukte (Quark, Joghurt, Käse) Tierisch Reich an verzweigtkettigen Aminosäuren
Fisch und Meeresfrüchte Tierisch Protein mit Omega-3-Fettsäuren kombiniert

Pflanzliche vs. tierische Proteinquellen: ein sachlicher Vergleich

Eine häufig gestellte Frage im Kontext ausgewogener Ernährung ist, ob pflanzliche oder tierische Proteinquellen "besser" sind. Diese Frage lässt sich ernährungswissenschaftlich nicht eindeutig beantworten – und das ist keine Ausweichung, sondern ein Spiegel der tatsächlichen Forschungslage.

Tierische Proteinquellen enthalten in der Regel alle essenziellen Aminosäuren in einem ausgewogenen Verhältnis und weisen häufig eine hohe biologische Verfügbarkeit auf. Pflanzliche Quellen hingegen enthalten oft nicht alle essenziellen Aminosäuren in ausreichendem Umfang oder in einem für den menschlichen Bedarf optimalen Verhältnis – mit einigen Ausnahmen wie Soja oder Quinoa.

Allerdings ist dieser Unterschied durch eine bewusste Kombination verschiedener pflanzlicher Quellen über den Tag gut ausgeglichen. Die Vorstellung, dass pflanzliche Quellen bei jeder einzelnen Mahlzeit vollständige Aminosäureprofile liefern müssen, gilt in der aktuellen Ernährungswissenschaft als überholt – relevant ist die Gesamtzufuhr über den Tagesverlauf.

Proteine im Kontext körperlicher Aktivität

Im Zusammenhang mit körperlicher Aktivität wird Proteinen oft eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Diese Verbindung ist nicht unbegründet: Körperliche Belastung – insbesondere Krafttraining – führt zu mikroskopischen Belastungen in der Muskulatur, die in der Erholungsphase Reparatur- und Anpassungsprozesse auslösen. Diese Prozesse involvieren die Synthese neuer Proteinstrukturen.

Die Frage, wie viel Protein für aktive Männer sinnvoll ist, wird in der Forschung unterschiedlich beantwortet, abhängig vom untersuchten Aktivitätsniveau, Alter und weiteren Faktoren. Allgemeine Orientierungswerte, wie sie von verschiedenen Ernährungsgesellschaften publiziert werden, bieten eine Grundlage – sie ersetzen jedoch keine individuelle Betrachtung.

Wichtig ist auch, dass die Gesamternährung – also das Zusammenspiel aller Nährstoffe – relevanter ist als die isolierte Optimierung eines einzelnen Makronährstoffs. Proteinzufuhr im Kontext ausreichender Kohlenhydrat- und Fettzufuhr sowie ausreichender Gesamtenergiezufuhr verhält sich anders als in einem Kontext, der stark kalorienrestringiert oder einseitig ist.

Verdauung und Aufnahme

Der Verdauungsprozess von Proteinen beginnt bereits im Magen, wo Salzsäure und das Enzym Pepsin die langen Aminosäureketten aufspalten. Im Dünndarm setzen weitere Enzyme – Proteasen aus der Bauchspeicheldrüse und den Darmwandzellen – die Verdauung fort, bis Aminosäuren und kurze Peptide entstehen, die durch die Darmwand ins Blut aufgenommen werden.

Die Aufnahmegeschwindigkeit variiert je nach Proteinquelle und -verarbeitung. Diese Variation kann Einfluss auf die sogenannte Aminosäureverfügbarkeit im Blut haben – ein Faktor, der in der sporternährungswissenschaftlichen Forschung untersucht wird, ohne dass daraus für den Alltag eindeutige, universell gültige Schlussfolgerungen gezogen werden könnten.